weiche Grenzen

Wenn ich hungrig bin, schaltet mein Hirn automatisch in den abgesicherten Zustand und lädt lediglich die Grundfunktionen. Dinge wie Höflichkeit, soziales Denken und solche Sachen sind da nicht enthalten. Passiert schonmal, ich entschuldige mich ja auch dafür…

Einigen Leuten scheint es ähnlich zu gehen, wenn es um das Thema Geld geht.
Da wird doch ernsthaft darüber nachgedacht, geklaute Daten einer Schweizer Bank anzukaufen und dem Dieb mit zweieinhalb Millionen das restliche Leben zu versüssen.
Was mich am meisten erschüttert, ist der Fakt, dass offenbar die politische Linke in Deutschland überhaupt keine Probleme damit hat und zum legalisierten Datenklau auffordert – der Zweck heilige schließlich die Mittel.

Denken wir das in der Konsequenz doch mal weiter: ein sonst nicht überführbarer Schwerverbrecher, der Kinderleben auf dem Gewissen hat, darf mit dieser Begründung im Polizeigewahrsam auch gefoltert werden, schließlich gehe es um Gerechtigkeit. Umfangreiche Vorratsdatenspeicherung ist grundsätzlich kein Thema mehr, sämtliche Bundesbehörden dürfen sich da auch austauschen, schließlich wäre der Prozentsatz an illegalen Aktivitäten so hoch, dass sich eine solche Massnahme rechtfertigen lässt. Wer künftig ein File-Sharing-System benutzt, um ein Bezahlprogramm kostenfrei herunterzuladen, darf ohne gerichtliches Verfahren vom Internetverkehr ausgeschlossen werden – Leitung gekappt – denn das Verhindern von Softwareklau rechtfertigt diese Massnahme schließlich.

Ich bin über alle Massen erstaunt über eine offenbar völlige Schmerz- und Denkbefreitheit genau der politischen Lautsprecher, die noch vor nicht allzulanger Zeit vehement gegen die Aufweichung der Grenzen des Rechtsstaates getönt haben – und ich bin erschüttert. Aber vielleicht findet sich ja jemand, der mir das erklärt.

Autor: Dörte Krell am 1. Februar 2010 | Themen: gestern und morgen | Keine Kommentare

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