Blaugemacht

Wolle und Leinen blauzubekommen ist bei der Pflanzenfärberei ein eigenes Thema.
Klassisch gehts mit Indigo oder Färberwaid, einigem an chemischem Aufwand und geruchstechnischer Toleranzprobe – und selbst dann ist das Ergebnis nicht immer blau.
Ich war also seit einer ganzen Weile auf der Suche nach einer einfacheren Alternative. Beim Durchblättern einschlägiger Fachliteratur schließlich stieß ich auf ein Rezept, das mich neugierig werden ließ.
Die Farblieferanten hier waren Ligusterbeeren. Nunja, die kannte ich noch als Feld- und Gartenheckengewucher aus meiner Kinderzeit und war optimistisch, mich schon bald ans Blaumachen wagen zu können.

Liguster Seltsamerweise gibt es hier in Mittelhessen kaum noch Gärten mit Ligusterhecken, und wenn, sind die so kastriert, dass an Beeren kaum zu denken ist. Erst ein Zufallsfund an einem Parkplatz in Gießen ließ mich mehr auf die Feldwegränder schauen und die alten Obstplantagen – und siehe da: Liguster wächst noch immer. Jetzt im November ist er sogar recht gut zu erkennen: es ist fast der einzige Strauch, der noch grüne Blätter trägt und die charakteristischen schwarzblauen Beeren in dichten Dolden an den Triebspitzen.

Spätestens beim Pflücken wusste ich dann auch, warum Liguster landläufig auch “Tintenbeere” heisst, so blauverkleckste Hände hatte ich das letzte Mal als Göre in der Schule… und das Zeuchs ist hartnäckig! Prima, dachte ich – genau das willst Du ja auf der Wolle haben.

Ligusterbeeren Der Liguster wird getrocknet und gemörsert. Das Rezept (160g getrocknete Ligusterbeeren, 10g Alaun, 10g Eisensulfat) reicht für ca. 70g Wolle. Die gemörserten Beeren werden dann ca. eine Stunde zusammen mit Eisensulfat und Alaun in 1 Liter Wasser ausgekocht – was einen herrlich violettblauen Sud im Topf ergibt. Und die dringende Notwendigkeit, sich danach um neues – unblaues – Kochgeschirr zu bemühen.

Aufgefüllt auf ca 5 Liter Färbeflotte, die Wolle bei 90°C eine Stunde simmern lassen – fertig!

Und: es ist blau!

Ligusterbeeren

Autor: Dörte Krell am 14. November 2009 | Themen: drinnen und draussen | Keine Kommentare

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