Finanzkreisläufe…

Es ist ein trüber Tag in einer kleinen irischen Stadt. Es regnet und alle Straßen sind wie leergefegt. Die Zeiten sind schlecht, jeder hat Schulden und alle leben von Krediten.

An diesem Tag fährt ein reicher deutscher Tourist durch die Stadt, hält bei einem kleinen Hotel und legt einen 100-Euro-Schein auf den Tresen an der Rezeption. Er sagt dem Eigentümer, dass er die Zimmer anschauen möchte, um vielleicht eines für eine Übernachtung zu mieten. Der Eigentümer gibt ihm mehrere Schlüssel und wartet, bis der Besucher die Treppen hinauf gegangen ist. Dann nimmt der Hotelier den 100-Euro-Schein, rennt zum benachbarten Metzger und bezahlt seine Schulden.

Der Metzger nimmt die 100 Euro, rennt die Straße runter und bezahlt den Schweinezüchter.
Der Schweinezüchter bezahlt mit dem 100-Euro-Schein seine Rechnung beim Futter- und Treibstofflieferanten.
Der Mann bei der Co-Op rennt mit dem 100-Euro-Schein zur Kneipe und bezahlt seine Getränkerechnung.
Der Kneipenwirt schiebt den Geldschein zu einer an der Theke sitzenden Prostituierten, die auch harte Zeiten hinter sich hat, und dem Wirt einige Gefälligkeiten auf Kredit gegeben hatte.
Die Prostituierte rennt zum Hotel und bezahlt mit dem 100-Euro-Schein die ausstehende Zimmerrechnung.

Der Hotelier legt den Schein wieder zurück auf den Tresen, so dass der wohlhabende Reisende nichts bemerken würde. In diesem Moment kommt der Reisende die Treppe herunter, nimmt den 100-Euro-Schein und meint, dass die Zimmer ihm nicht gefallen. Er steckt den Schein ein und verlässt die Stadt.

Niemand produzierte etwas und niemand verdiente etwas. Wie auch immer, nun ist die Stadt ohne Schulden und man schaut mit großem Optimismus in die Zukunft.

gehört im ZDF-”nachtstudio” bei Volker Panzer

Autor: Dörte Krell am 20. August 2011 | Themen: gestern und morgen, hier und jetzt | 3 Kommentare

3 Kommentare zu “Finanzkreisläufe…”

  1. Ravennaam 24. September 2011 um 21:29 Link zum Kommentar

    Es wurde etwas produziert, vorab. Der Geldschein ist nur Ausdruck der energetischen / finaziellen Rückabwicklung. In diesem Fall in einem perfekten Kreislauf.

    Keiner hat ihn behalten. Jeder ist mit dem anderen quitt. – Glück gehabt.

  2. Tchikamooam 27. Dezember 2011 um 13:56 Link zum Kommentar

    Sehr aufwühlend, gut geschrieben, hinterlässt einen ratlos. War wirklich gut es mal so zu lesen.

  3. Tchikamooam 27. Dezember 2011 um 14:10 Link zum Kommentar

    Wobei, je länger ich drüber nachdenke, der Hotelier hätte den Reisenden nicht gebraucht – er hätte es auch einfach aus der Kasse nehmen können – dazu braucht er den Touristen nicht – trotzdem n witziges beispiel auch wenn´s bewusst unrealistisch und überzogen ist.

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