In der Politik ist es wie in einem Konzert: ungeübte Ohren halten schon das Stimmen der Instrumente für Musik.
Amintore Fanfani (1908-1999, ital. Ministerpräsident)
In der Politik ist es wie in einem Konzert: ungeübte Ohren halten schon das Stimmen der Instrumente für Musik.
Amintore Fanfani (1908-1999, ital. Ministerpräsident)
Anders als mit einem Würfelspiel ist eins der üblichen Ergebnisse nach einer der üblichen Wahlen nicht zu erklären. In den seltensten Fällen hat das Ergebnis etwas mit dem Wählerwillen zu tun, die Listenreihenfolge der Parteien schonmal gar nicht und von den lobbygemachten Gesetzesentwürfen hinterher ganz zu schweigen.
Ich stelle mir gerade vor: das Konstrukt der Koalition gehört der Vergangenheit an. Mehrheiten im Parlament finden sich anhand der Inhalte und wechseln. Die Ministerien werden nach Proporz besetzt, der Bundeskanzler/ die Bundeskanzlerin werden direkt gewählt. Der Fraktionszwang ist aufgehoben.
…warum? Weil zehn Gläser heute entsorgt wurden.
In meiner schier naiven Liebe zum alten Gussbräter hatte ich die leisen Zweifel in meinem Hinterkopf ausgeblendet, die mich vor ungeahnten Ergebnissen im Zusammenspiel von Gerb- und Fruchtsäure und Metall gewarnt hatten.
Das Pflaumenmus hatte ein durchdringendes Eisenaroma entwickelt, färbte Zunge und Zähne schwarz und taugt jetzt vielleicht noch zum Wollefärben – zum Essen leider nicht.
Ergo gibts jetzt nochmal einen neuen Start – Pflaumen hats genug – auf Emaille.
Versuch macht kluch.
Der Mensch wächst mit seinen Aufgaben.
Ein Gänsebräter leider nicht.
Nach fünf Stunden mühseliger Rührerei gestern und vergeblichem Warten auf irgendeine nennenswerte Volumenverkleinerung der braunen Köstlichkeit zog ich heute kurzerhand die Notbremse.
Ich erinnerte mich dunkel an Omas Pflaumenmusrituale – zu denen unbedingt ein Backblech gehörte – und beförderte die Hälfte der Masse aus besagtem Gänsebräter kurzerhand aufs besagt Backblech.
Vorteil: die langwierige Rührerei entfällt, alle halbe Stunde mal die karamellisierten Stellen unterheben, und der ganze Zauber ist nach gut zwei Stunden und 150°C erledigt. ;-)
Final verfeinert wurde das Ganze (himmel, die 10% Rohrzucker reichten in der Tat!) zum Schluss mit Zimt und Nelken und pro 3kg Ausgangsmasse einer Tasse Amaretto.
Und aus 6kg feinster Bauernpflaumen werden so gerademal 10 Gläser (350ml) Ladwersch. Streuobstwiesenkonzentrat im Glas!
…oder Hoink …oder für die Nichthessen: Pflaumenmus. Mit allerlei wunderlichen Dingen drinnen – hoffe ich, ich bin noch dabei, die heutige Ernte – so ca. 6kg – zu entsteinen.
Dazu kommen dann noch brauner Zucker (Verkosten wird wichtig, die Pflaumen sind dieses Jahr nicht nur reichlich, sondern SÜSS!), Zimt, Nelken und Vanilleschote, ganz zum Schluß ein ordentlicher Schuss Amaretto.
Es lebe der 11-Liter-Gusseisenbräter vom Dachboden!
… je strikter du dein Leben organisierst, umso härter trifft dich der Zufall.
(gestern abend von Reinhard Mey)