Anders als mit einem Würfelspiel ist eins der üblichen Ergebnisse nach einer der üblichen Wahlen nicht zu erklären. In den seltensten Fällen hat das Ergebnis etwas mit dem Wählerwillen zu tun, die Listenreihenfolge der Parteien schonmal gar nicht und von den lobbygemachten Gesetzesentwürfen hinterher ganz zu schweigen.
Ich stelle mir gerade vor: das Konstrukt der Koalition gehört der Vergangenheit an. Mehrheiten im Parlament finden sich anhand der Inhalte und wechseln. Die Ministerien werden nach Proporz besetzt, der Bundeskanzler/ die Bundeskanzlerin werden direkt gewählt. Der Fraktionszwang ist aufgehoben.
Kein elend langes Taktieren um Bündnisse mehr, keine Kröten, die den meisten beim Schlucken heute noch beachtlich flott den Hals hinunterrutschen, und auch keine voreiligen “mit denen da spiele ich nicht!”-Aussagen, wenn “die da” plötzlich die Schippe für den Sandkasten in der Hand halten, kein Abstecken von Vierjahresclaims in den Bundenstagsbüros durch Medien und Industrie – weil die Abgeordneten tatsächlich ihrem Gewissen – und dem Wähler – verpflichtet sind.
In den meisten kommunalen Parlamenten läuft es genauso – und funktioniert.
Wenn ich dort mit einem Wie im Abstimmungs- oder Diskussionsvorgang nicht einverstanden bin, hebe ich beide Hände und stelle einen Antrag zur Geschäftsordnung: und darüber wird befunden.
Das ist es, was ich unter Demokratie verstehe.
Zu Wahl gehe ich am kommenden Sonntag dennoch. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, dass ich auch erlebt habe, dass die Wahl lediglich aus dem Einwerfen eines gerade ausgehändigten Stimmzettels mit den Kandidaten der Nationalen Front bestand – das Betreten der Wahlkabine war schon ein Ding der Unmöglichkeit, und das Streichen des zu wählenden Blocks aus SED, CDU (ja… die hatten wir auch), LDPD (die Ost-Variante der FDP), DBD (die Bauern) und NDPD (auch die gab es, die Nationalen) Grund genug für ausdauernde Aufmerksamkeit seitens einer definierten Behörde mit großen Ohren.
Nicht zur Wahl zu gehen, die Füße hochzulegen, um dann später “den Politikern” an allem ruhigen Gewissens die Schuld geben zu können hat in der Bundesrepublik eine völlig andere Konnotation als in der DDR, wo das Fernbleiben von der Urne eine dezidierte Meinungsäußerung war. Die auch gehört wurde.
Jedoch: zur Wahl zu gehen, den Stimmzettel ungültig zu machen, sich zu enthalten, mag in den Folgen auch heute fast vergleichbar sein. Möglich ist es.
Ich möchte künftig auf meinem Stimmzettel die Möglichkeit, “Enthaltung” anzukreuzen.
Auch das ist es, was ich unter Demokratie verstehe.
Hallo Dörte,
Viele Grüße aus deiner altem Heimat.
Simone und Ute haben mal wieder ein Klassentreffen organisiert, Simone hat dich wohl nicht gefunden. Termin ist der 17.10. Ist vielleicht etwas kurz, aber wenn du du Lust hast ? Ausruhen bei mir oder wo du möchtest. Bin nächste Woche auf Lolland, wär aber trotzdem schön, wenn du dich meldest. Liebe Grüße Kerstin.