Erinnerungsschnipsel

Ich war zur Wendezeit vor 25 Jahren in Dresden. Länger. Musikhochschule sei dank. Im Herbst 1989, als sich jeden Tag die Welt änderte. Als der Zug mit den Genscher-Flüchtlingen aus der Prager Botschaft durch den Bahnhof Dresden-Mitte fuhr, sass ich dreihundert Meter weiter. Als Honecker gefeuert wurde, war ich im Musiktheorie-Seminar. Alle Viertelstunde machte irgendein Kommilitone mit Radio (Anmerkung: damals gabs noch kein Internet und keine Push-Nachrichten) die Tür auf und gab die letzten Wasserstandsmeldungen aus Leipzig und Berlin durch.

Damals habe ich kapiert, dass die Dresdner (jaaa, sehr pauschal, ich weiss – und ich kenne mindestens zwei Ausnahmen: meine Gesangslehrerin und Olaf Schubert) die sprichwörtlichen drei Affen erfunden haben müssen. So viel kollektiver Totstellreflex ist mir vorher und später nie wieder untergekommen.
Insofern wundert mich der Dresdner #Pegida-Wahn überhaupt nicht. Ich schätze mal, die kommen da im „Tal der Ahnungslosen“ in ca. 25 Jahren drauf, dass sie da 2015 grundsätzlich was missverstanden haben.

Haben die jetzt eigentlich schon Westfernsehen?

Kategorie(n): Bedacht
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