Ich habe lange überlegt, ob ich zum dem medienrelevanten Thema der letzten Wochen – einem kleingeistigen Bundespräsidenten, der den Kleingeist der Deutschen auf fast obszöne Art und Weise repräsentiert – überhaupt noch etwas schreiben sollte, die Gedanken sortieren und in eine greifbare Form giessen, jedes Mal überkam mich so eine Art bleierne Müdigkeit. Ein Unwillen, überhaupt noch zu denken, der irgendwie unwiderstehliche Drang, mich gähnend und abwinkend in die gleiche Mittelmässigkeit und Wahllosigkeit (in mehrfacher Hinsicht) fallen zu lassen wie die Mehrheit der mich umgebenden Leute in dem, was ich Alltag nenne.
Bis mir heute – beim Lesen von Michael Sprengs Blog – auffiel, dass ich das so schonmal erlebt hatte. Das ist jetzt reichliche 23 Jahre her, die politischen Feindbilder waren manifest, die Meinungsschizophrenie beim Volk ebenso – und was danach kam, war das würdelose Sterben der nackt und alt und faltig an der Herz-Lungen-Maschine hängenden DDR. Den ganzen Beitrag lesen »
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Arnulf Baring in der “Welt am Sonntag”:
Als ich meinen Essay „Bürger auf die Barrikaden“ vor Jahren veröffentlichte, sagte mir Roman Herzog lächelnd:
„Wissen Sie, wie viele Genehmigungen man in Deutschland braucht, um eine Barrikade zu errichten? 17!“
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Vielleicht ist es ja ein, nein!, das Problem meiner Generation, das heisst: das zuhauf in den letzten Monaten zutage tretende endlose Pubertieren der 68er-Nachkommen, egal, ob sie aus dem Westen oder dem Osten sind. Dieses narzisstische Verweigern der Konsequenzen aus dem eigenen Handeln, egal, ob Mittdreissiger Bankeryuppies oder Minister-Praktikanten, das völlige Fehlen von Problemlösungsstrategien, weil man ja Probleme schließlich wegdiskutieren kann – und vor allem eine ans Masslose grenzende Selbstüberschätzung der jetzt im Amt (nicht in Würden) Seienden, die mir vor den Folgen der noch immer frei flottierenden sozialromantischen Gutmenschpädagogik ernsthaft Angst einjagt.
Vielleicht ist es ja auch eine Zeiterscheinung, dass das Darstellen von Inhalten schon lange viel wichtiger ist als der Inhalt selbst.
Und vielleicht stehen das eine und das andere in kausalem Zusammenhang.
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Tags: Datenklau, Parteien, Politik, Rechtsstaat, Verantwortung
Tja:
…Als erstes Unionsmitglied der Bundesregierung äußerte sich Bildungsministerin Annette Schavan zu den Vorwürfen. Sie warnte vor einem vorschnellen Urteil. “Ich finde, auch Minister haben den Anspruch, nicht vorverurteilt zu werden”, sagte sie der “Rheinischen Post”. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende forderte die Öffentlichkeit zur Geduld bei der Überprüfung der Vorwürfe auf…
Quelle: Spiegel online
Der eloquente Herr mit dem Doktortitel in Anführungszeichen sollte konsequent bleiben und sich selbst entlas… ähmm, entschuldigung… vorübergehend suspendieren, bis die Vorwürfe geklärt sind. Natürlich nur zu seinem eigenen Schutz.
Er kann ja hinterher immernoch wieder Minister werden.
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Gestern nacht war mir so… wehmütiger Georg-Schramm-Fan, der ich bin, konnte ich nicht anders als mir die letzten beiden Folgen “Neues aus der Anstalt” aus diesem Jahr ansehen, wehmütig, weil ein Lichtblick in der deutschen Satireszene das wirklich freie Wort auf der Kleinkunstbühne dem offensichtlich nicht so ganz freien Wort im öffentlich-rechtlichen Fernsehen vorzieht… oder vorziehen muss. Wer weiss das schon so genau – vermutlich die neue stromliniengebürstete ZDF-Intendantur.
Und ich wurde daran erinnert, dass noch vor drei, vier Monaten ein Sturm der Entrüstung durch den deutschen Blätterwald rauschte. Erinnert sich noch jemand?
Einzelheiten zu den kleinen und grossen Grausamkeiten des “Sparpakets” wurden veröffentlicht, (geheuchelte) Entrüstung allerorten, so etwas wie ein Geist des Aufbruchs und Willen zur Auflehnung ließ sich – mit gutem Willen – in Deutschland wahrnehmen.
Doch dann kam alles so, wie Anstalts-Patientensprecher Lothar Dombrowski es prophezeit hat, und schlimmer: Den ganzen Beitrag lesen »
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“Der Bundespräsident repräsentierte die Bürger des Landes nie besser als mit seinem Rücktritt.”
anonym, gefunden am Tag 1 nach Köhlers Rücktritt im Netz.
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…anno 1767 im Spätsommer, mitten in der Erntezeit, weit nach Sonnenuntergang, in einem kleinen mittelhessischen Dorf, dessen eng geschachtelte Gehöfte zwischen Bachtal und Hügel geklemmt sind: durch das Dorf schallt die Feuerglocke.
Jeder Bauer, Nagelschmied und Besenmacher lässt liegen, was er gerade noch in der Hand hatte, greift sich Eimer, Schaufel, rutscht in die Pantinen und hastet im Laufschritt die Dorfstrasse zum Sammelpunkt. Ein Feuer ist Sache aller, zu schnell lecken hungrige Flammen auch am eigenen Hof. Man hat am brennenden Hof mitgebaut, vielleicht den Brunnen ausgeschachtet, vielleicht ist es auch der Hof des Vetters, der brennt – egal – es geht jeden an, und es ist dringend.
Romantisches Verklären einer Gebrüder-Grimm-Szene? Mitnichten. Genau das habe ich heute erlebt.
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